Januar 18, 2017 shopjobs

Im Job-Portrait: Michael Knief

Michael Knief (29) ist gelernter Kaufmann im Groß- und Außenhandel und hat sich nach sechs Jahren Berufserfahrung im Großhandel für eine neue Herausforderung entschieden: das Studium der Sozialwissenschaften. Nach seinem Studium haben sich für ihn neue Perspektiven eröffnet. Im Interview erzählt er uns, wie er seinen Weg gemeistert hat und welche Erfahrungen dabei entscheidend waren.

 

WIE HAT SICH DEIN BERUFSEINSTIEG ERGEBEN?

Michael: Ich bin nach meinem Abitur mit einer klassischen Berufsausbildung im Großhandel gestartet. Nach der Weiterbildung zum Handelsfachwirt habe ich sechs Jahre im Industrievertrieb für Elektromaterial gearbeitet und war bundesweit im Einsatz – in Hannover, München, Düsseldorf, Amsterdam und sogar in Paris. Zu meinen Kunden zählten namhafte Unternehmen mit Umsatzvolumen von über vier Millionen im Jahr. Ich wurde in meiner Laufbahn irgendwann so weit befördert, dass ich eher Verwaltungsarbeit gemacht habe. Da hat mir der Kundenkontakt gefehlt. Das war ein Moment, wo ich mich gefragt habe, ob das wirklich die Arbeit ist, die ich bis zu meiner Rente machen möchte. Ich habe mich dazu entschieden, Sozialwissenschaften zu studieren, weil ich mir selbst Fragen gestellt habe, auf die ich Antworten haben wollte.

WAS HAT DICH DAZU BEWEGT, NACH DEM ABITUR EINE AUSBILDUNG ZU BEGINNEN?

Michael: Ich bin ein absoluter Praxismensch. Mir war es immer wichtig, etwas zu machen, wo ich auch Effekte sehe – da war der Handel für mich das perfekte Arbeitsfeld. Ich bin sehr froh, dass ich meinen Weg so gegangen bin. Ein Studium direkt nach der Schule wäre für mich zu theoretisch gewesen. Teilweise muss man sich schon früh im Studium festlegen, in welche Richtung es beruflich für einen gehen soll. Ohne Erfahrungen in der Praxis ist es aber schwierig, sich selbst und die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen. Ich habe beispielsweise Mathematik in der Schule nie wirklich verstanden. Aber in der Buchhaltung bin ich ein Ass.

WO SIEHST DU DIE WESENTLICHEN HERAUSFORDERUNGEN FÜR AUSZUBILDENDE IM EINZELHANDEL?

Michael: Ich denke, für einen angehenden Azubi im Handel ist es erst einmal eine Herausforderung, den passenden Bereich zu finden. Das komplette Sortiment, was Kunden zur Verfügung steht, wird in Einzelhandelsgeschäften verkauft: vom Schuhladen bis hin zum Lebensmittelgeschäft. So kann man sich schon in der Ausbildung aussuchen, was man für Interessen hat.

WELCHE PRAXISERFAHRUNGEN WAREN RÜCKBLICKEND FÜR DICH AUS DEINEM JOB IM GROßHANDEL AM WICHTIGSTEN?

Michael: Meine Zeit im Elektrofachgroßhandel war sehr abwechslungsreich. Wir haben alles geliefert: Vom einfachen Automaten, über Steckdosen, Waschmaschinen, Kabelzubehör bis hin zu einem kompletten Kraftwerk – mit knapp sechs Millionen gelisteten Artikeln. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Jobs im Handel unterschätzt werden. Weil es sehr viele Bereiche gibt, die man als Kunde nicht sieht. Zum Beispiel bei der Disponierung. Da bin ich derjenige, der entscheiden darf, welche Produkte eingekauft werden. Man lernt während der Ausbildung nicht nur den Verkauf, sondern die gesamten Betriebsabläufe von der Buchhaltung, Lagerhaltung bis hin zur Inventurplanung kennen.

WAS WAREN WERTVOLLE LERNEFFEKTE?

Michael: Ich habe durch die Ausbildung vor allem gelernt, Prioritäten anders zu setzen und meine Zeit effektiv zu nutzen. So fällt es mir jetzt in den Prüfungsphasen leichter, koordiniert zu arbeiten. Meine Erfahrungen aus der Ausbildung möchte ich in keinem Fall missen. Ich würde sogar so weit gehen, dass man für ein geisteswissenschaftliches Studium eine Ausbildung als Zugangsberechtigung vorschreiben sollte. Außerdem habe ich neue Fähigkeiten an mir entdeckt, die mir vorher gar nicht bewusst waren. Ich habe mich beispielsweise immer für eine handwerkliche Niete gehalten. Bis ich irgendwann anfangen habe, Elektroteile zu verbauen, um besser erklären zu können, wofür die Teile eingesetzt werden.

WAS IST DEIN ERFOLGSREZEPT FÜR BERUFLICHEN ERFOLG?

Michael: Authentisch sein, mitdenken und in den richtigen Momenten Fragen stellen. Wenn man seine Aufgaben gewissenhaft erfüllt und sich aktiv einbringt, dann wird das auch wahrgenommen. Das ist meine Erfahrung. Die Kommunikation ist das A und O. Wenn man etwas nicht versteht oder einem Betriebsabläufe nicht klar sind, muss man Fragen stellen. Wer vor allem in größeren Unternehmen nicht untergehen will, muss sich profilieren und präsent sein. So habe ich es in fünf Jahren geschafft, vier Positionen im Organigramm nach oben aufzusteigen. Wenn man Initiative zeigt, kann man im Handel unglaublich schnell eine Karriere machen. Über einen gewissen beruflichen Punkt hinaus läuft dann vieles über Vitamin B.

 

„Wer einen guten Job macht, der macht sich auch einen Namen.“

 

Nach meiner Ausbildung habe ich mich auf keine der neuen Positionen mehr beworben, sondern wurde von Unternehmensseite angesprochen. Ähnlich wie in anderen Bereichen ist der Groß- und auch der Einzelhandel eine kleine Branche, in der man sich irgendwann kennt.

 

„Wer mit offenen Karten spielt, gewinnt. Unternehmen wollen Mitarbeiter, auf die sie sich verlassen können.“

 

Unternehmen sehen es gerne, wenn man mit offenen Karten spielt und deutlich macht, was man als Mitarbeiter leisten kann. Die Voraussetzung für Erfolg ist, man muss das Ganze wollen. Man sollte nie an einer Ausbildung oder einen Job festhalten, weil es für einen gerade die einzige Alternative darstellt, sondern sich immer bewusst sein, dass es das ist, was man möglicherweise bis zur Rente macht.

WARUM HANDEL?

Michael: Vielseitigkeit. Man hat im Handel wie in kaum einer anderen Branche die Möglichkeit, hinterher wirklich alles zu machen. Die Ausbildung macht dich zu einem Allrounder. Dadurch, dass man lernt zu verkaufen, kann man jede Vertriebstätigkeit ausüben. Dadurch, dass man lernt, mit Zahlen umzugehen, kann man im Backoffice in der Buchhaltung sitzen oder Verwaltungstätigkeiten machen. Handel ist eigentlich das Bindeglied von allem. Wenn man das aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive sieht, ist der Handel das, was Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verbindet.

WIE GEHT ES FÜR DICH IN DEN NÄCHSTEN JAHREN WEITER?

Michael: Erst mal möchte ich das Studium beenden. Ich sehe mich beruflich im Bereich Marketing. Das hat immer noch etwas im weitesten Sinne etwas mit dem Vertrieb zu tun. Mit dem Unterschied, dass man sich auch mit strategischen Themen beschäftigt. Und es ist ein bisschen kreativer. Das ist das, was mir immer so ein bisschen gefehlt hatte. Gerade als ich später in den Verwaltungstätigkeiten war, hat mir der kreative Part, den man beim Verkaufen immer noch hatte, gefehlt. Deshalb ist so der Marketingbereich das, was ich mir sehr gut vorstellen könnte – oder eben das Verlagswesen.

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